Zürich, 18. Mai 2004. Bildung und Erziehung bilden zusammen mit Umweltpolitik die beiden Themenfelder, wo die Schweizerinnen und Schweizer der Politik am meisten Vertrauen schenken. Den Politikern selbst aber stehen sie misstrauisch gegenüber: Sie rangieren am Schluss der Vertrauensskala aller Berufsstände - noch hinter den Autoverkäufern und den Finanzanalysten! Und obwohl die schweizerischen Umfrageergebnisse sich von den gesamteuropäischen Resultaten nur wenig unterscheiden, schenken Herr und Frau Schweizer gerade den Institutionen der Europäischen Union sehr wenig Vertrauen. Diese Ergebnisse ermittelte die jüngste Konsumentenbefragung von Reader's Digest. "European Trusted Brands 2004" ist Europas grösste Verbraucherstudie und befragte 30'000 Leserinnen und Leser nach den Berufen, Institutionen und Marken ihres Vertrauens.
Welche Institutionen haben in der Schweiz das beste Image? Wie in den Vorjahren liegt der Öffentliche Verkehr auf dem Spitzenplatz. Das Vertrauen in die öffentlichen Verkehrsmittel ist mit 82 Prozent sehr hoch. Auf dem zweiten Rang der Vertrauensskala folgt das Radio (76 %) mit deutlich höheren Werten als das Fernsehen (64%, Platz 6) oder die Presse (48% und Platz 8). Konstantes Vertrauen auch für die Institution auf Rang 3: Die Polizei geniesst bei 70 Prozent (Vorjahr 76 %) der Befragten hohes oder sehr hohes Vertrauen. Hohe Werte verzeichnen weiterhin auch die Post (68%) und die Ehe (67%). Im Mittelfeld tummeln sich die Schweizer Armee (52%), der Euro (42%) und der Bundesrat - wobei der Euro in den letzten Jahren kontinuierlich aufgestiegen, der Bundesrat dagegen ebenso kontinuierlich und erstaunlich steil gefallen ist: von 65 über 52 Prozent in den Jahren 2002/2003 auf aktuelle 42 Prozent. Tiefer bewertet werden nur noch Internationale Unternehmen (38 %) und die Gewerkschaften (34%). Das Schlusslicht der Vertrauensskala hält die Europäische Union (27%). Überhaupt stehen die Schweizerinnen und Schweizer allem Politischen sehr kritisch gegenüber. Bei den Berufen landen die Politiker weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der Vertrauensskala. Mit 16 Vertrauensprozenten (Vorjahr 19%) müssen sie noch hinter den Autoverkäufern (26%) Platz nehmen und geniessen nur halb so viel Vertrauen wie Finanzanalysten und Werbeberater (32%).
Das spiegelt sich auch bei der Vertrauensbewertung der politischen Themenfelder. Am besten schneiden Bildung und Erziehung sowie die Umweltpolitik ab, wo die Schweiz ja in vielerlei Hinsicht Weltmeister ist. Mit deutlichem Vertrauensabstand folgen Gesundheits- und Sozialpolitik, wo nur noch jeder Dritte Vertrauen in die Kompetenz der Politiker hat. Ein veritabler Vertrauenseinbruch lässt sich beim Thema AHV/Altervorsorge konstatieren: Dort stürzten die Vertrauenswerte von 47 auf 28 Prozent. Schlechtere Werte erhält nur noch die Ausländer- und Einwanderungspolitik (17%).
Im Überblick gesehen lassen sich zwei interessante Schlussfolgerungen ziehen: Das Vertrauen in die Kompetenz der Politiker zur Lösung sozialer und politischer Probleme nimmt kontinuierlich ab. Das zeigt sich zum einen in der tiefen Bewertung der Politiker und zum anderen in der Tatsache, dass alle politischen Themenfelder 2004 durchwegs schlechtere Vertrauenswerte erhalten haben als noch 2003.
Dass Herr und Frau Schweizer sich in dieser Hinsicht nur wenig vom europäischen Durchschnitt unterscheiden, zeigen die gesamteuropäischen Vergleichszahlen aus allen 14 befragten Ländern. Die Institution Europäische Union liegt auch in Finnland und beim EU-Mitglied Grossbritannien auf dem letzten Platz. In 7 Staaten wiederum besetzen die nationalen Regierungen den Schlussrang, in vier die Gewerkschaften, in Russland dagegen die Polizei.
Bei den Politikfeldern nehmen Bildung, Umwelt und Gesundheit auch gesamteuropäisch die drei Spitzenplätze des Vertrauens ein. Und in allen 14 befragten Ländern geniesst die Ausländer- und Einwanderungspolitik am wenigsten Vertrauen.
Mehr Informationen aus der Studie "European Trusted Brands 2004" können auf der Website www.rdtrustedbrands.com abgerufen werden.
Eckdaten der Studie
Die Studie "Reader's Digest European Trusted Brands" zählt zu den grössten Verbraucherumfragen Europas. 2004 erscheint sie bereits zum vierten Mal.
Für die Studie wurden die Abonnentinnen und Abonnenten des Magazins Das Beste-Reader's Digest in 14 europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Finnland, Grossbritannien, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweiz, Polen, Russland, Tschechien und Ungarn) schriftlich befragt. Europaweit gab es 30'000 Rückläufe, in der Schweiz 1'400.
Der identische Fragebogen erfasst ungestützte Markennennungen in 29 Produktkategorien (20 international, 9 lokal) und deren Bewertung. Abweichungen in der Alterstruktur wurden durch Selektion und Gewichtung ausgeglichen.
"European Trusted Brands" (ETB) misst europaweit das Markenvertrauen von Verbrauchern und kapitalisiert die Erfahrung von Reader's Digest-Kunden als Konsumenten. Die Ergebnisse zeigen auf, wie Marken wirklich in den Köpfen der Konsumenten verankert sind und welche Kriterien für diese Verankerung Bedeutung haben.
Der Fokus der Studie richtet sich auf das Vertrauen der europäischen Bevölkerung in Institutionen, Berufe, Marken und in die Staatspolitik.
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