Zürich, 5. Februare 2003.  Nur einer von zehn Chefs ist seiner Aufgabe gewachsen - diese provokative Aussage von Rolf Fink findet Bestätigung im sich immer schneller drehenden Karussell von wechselnden Kaderleuten in Unternehmen. Noch selten sind so viele Führungskräfte ausgewechselt worden wie im vergangenen Jahr. Warum gelangten all diese Nieten überhaupt ganz nach oben? In der Februar-Ausgabe von Das Beste-Reader's Digest äußert sich der Unternehmensberater Rolf Fink, mit Karl Kälin Autor des Buches "Topschrott. Unwahres und Falsches zu Führung und Management", nicht nur darüber, wie gute von schlechten Chefs zu unterscheiden sind, sondern vergleicht auch die Teppichetagen von Unternehmen mit einem Irrenhaus.

 

Die beiden Unternehmensberater kommen zum Schluss, dass es auf der einen Seite wenige gute Manager gibt und auf der anderen Seite Schindluderei bei der Selektion getrieben wird. "Topshots werden nach den gleichen Prinzipien ausgewählt, nach denen sich Männer in einer schummrigen Bar für oder gegen die Kontaktaufnahme mit einer Frau entscheiden", zeigt sich Fink überzeugt. Je wichtiger die zu besetzende Stelle sei, desto stärker würden Kleider, Aussehen, Parfüm, Beredtheit und Ähnlichkeit mit den Auswählenden eine Rolle spielen. Dies sind happige Vorwürfe, die vorwiegend an die Adresse der Headhunter, aber auch an das Evaluationsinstrument Assessment Center gerichtet sind. Ersteren wird vorgeworfen, keine Qualitätssicherung vorzunehmen. Noch happiger sind die Vorbehalte, welche die beiden Autoren gegenüber dem Assessment Center haben: "Keine Studie belegt, dass diese Instrumente zuverlässigere Aufschlüsse gäben über die Eignung eines Kandidaten als der Würfel", sagt Fink. Interessanterweise wird in der Fachwelt aber gerade dem Assessment Center eine überdurchschnittliche inhaltliche und prognostische Validität zuerkannt, wobei zu beachten ist, dass die Vorhersagevalidität aufgrund der Schwierigkeit, klare und eindeutige Kriterien für den Berufserfolg zu definieren und zu messen, tendenziell am geringsten ist.

 

Ein weiterer Grund für das häufige Scheitern von Managern ortet Fink darin, dass sich Führungskräfte auf ihrem Weg nach oben dauernd anpassen und sich selbst verleugnen müssen. Schuld daran ist der Konformitätsdruck, der festlegt, wie ein Manager zu leben hat. So wäre ein homosexueller Topbanker hierzulande etwa gezwungen, seine Neigung zu verdrängen und wird am Ende verlernen, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören. Die Folge davon sind Manager, deren Sinne und damit auch deren Sozialkompetenz komplett verkümmert sind.

 

Worin sind nun aber gute und schlechte Chefs zu unterscheiden? Die guten Chefs - um das Positive vorwegzunehmen - sind oftmals Leute, die im Stillen arbeiten, sich unvorteilhaft und medienuntauglich präsentieren. Schlechte Chefs hingegen erkennt man laut Fink daran, dass sie keinen Humor haben und trotzdem versuchen, krampfhaft lustig zu sein. Sie wissen auf alles eine richtige Antwort und betonen stets, wie ehrlich sie sind. Selbst wenn nur ein Teil dieser Schilderungen, die unter anderem von Insidern und Aussteigern aus Konzernen und großen Institutionen stammen, der Realität entsprechen sollte, geben sie einem das Gefühl, im falschen Film zu sitzen.

 

Mit "Topschrott. Unwahres und Falsches zu Führung und Management" (Orell Füssli Verlag, Zürich, 2002, SFr. 39.80) haben Rolf Fink und Karl Kälin ein Buch verfasst, das nicht nur eine amüsante Analyse des modernen Wirtschaftslebens bietet, sondern auch schonungslos die Missstände in den Chefetagen von schweizerischen und deutschen Unternehmen aufzeigt.

 

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