Zürich, 26. Februar 2004. Er ist ein Meister seiner Klasse. Auf geniale Weise verbindet der 1946 in Polen geborene amerikanische Architekt Daniel Libeskind die Ästhetik eines Bauwerks mit seiner Bedeutung und seinem Zweck. So entsteht eine vollkommene Synthese von Raum und Geschichte. Vor einem Jahr gewann Libeskind den spektakulären Architekturwettbewerb zum Neubau des World Trade Centers in New York, das für Architekten gewiss begehrteste Bauvorhaben der Gegenwart. Die Zeitschrift Das Beste-Reader's Digest analysiert, was Libeskinds Bauten auszeichnet.
In der Architektur, sagt Daniel Libeskind, "geht es nicht nur um technische Fragen. Architektur ist eine geisteswissenschaftliche Disziplin, die auf Geschichte und Tradition aufbaut. Beide müssen als tragende Säulen in den Entwurf eingehen. Meine Arbeit befasst sich mit der gesamten Geschichte der Örtlichkeit."
Libeskind betreibt bei seinen Projekten eine Art architektonische Alchimie: Er sammelt Gedanken zum sozialen und geschichtlichen Umfeld, mischt eigene Ideen bei und verwandelt alles in einen konkreten Entwurf. "Libeskinds grösste Begabung", schreibt der viel beachtete Architekturkritiker Paul Goldberger, "liegt darin, der Erinnerung dienende Konzepte mit abstrakten architektonischen Ideen zu verweben. Kein lebender Architekt beherrscht dies besser."
Libeskinds Entwürfe erzählen stets eine Geschichte. Sein Entwurf für das neue World Trade Center (WTC), mit dem sich Libeskinds Büro gegen sechs weitere Architektenteams durchsetzte, versucht, zwei entgegengesetzte Sichtweisen zu versöhnen. Ground Zero soll "eine Stätte der Trauer und Traurigkeit" sein, "an der so viele Menschen sterben mussten". Gleichzeitig soll der Entwurf weithin sichtbar ein Zeichen für "Vertrauen, Optimismus und Spannung" setzen. Bei der geplanten Konstruktion bleiben Teile der einstigen Fundamente des WTC sichtbar: als Symbole für die Belastbarkeit der amerikanischen Demokratie und als ein majestätischer Rahmen für das Mahnmal und das Museum. Zwei Areale sollen die Zugänge zur Örtlichkeit bilden: ein "Park der Helden" zum Gedenken an die über 2'500 Toten des Anschlags und der so genannte "Keil des Lichtes". Dieser Platz soll jedes Jahr am 11. September zwischen 8.46 Uhr, als das erste Flugzeug einschlug, und 10.28 Uhr, als der zweite Turm einstürzte, mit Licht erfüllt sein. Das Hauptgebäude von Libeskinds Entwurf ist ein schlanker, 541 Meter hoher Turm.
Die 1776 Fuss Höhe sollen an das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der USA erinnern. 70 Stockwerke sollen Büros, Geschäfte und Cafés beherbergen. In 30 weiteren Etagen in einer Spitze mit Antenne würden ein Observatorium und Gärten untergebracht. Durchgänge sollen einen zweiten Büroturm mit 70 Stockwerken mit dem ersten verbinden. Dass der erste Turm "Gärten der Welt" heisst, erklärt Libeskind so: "Gärten sind die Bestätigung des Lebens." Die Turmspitze ist eine "Bejahung des Himmels über New York, eine Bestätigung der Lebensenergie angesichts der Gefahr und eine Bestätigung des Lebens nach der Tragödie". Dies demonstriere, "dass das Leben siegt".
Bis 1989 war Libeskind fast ausschliesslich in akademischen Kreisen bekannt. Dann erhielt er den Auftrag zum Bau des Jüdischen Museums in Berlin - sein am meisten bejubeltes Werk. "Libeskind hat eine Empfindung in ein Gebäude gegossen", beschreibt es Frank Gehry, der Architekt des gefeierten Guggenheim-Museums im spanischen Bilbao, "und das ist besonders schwierig." Im September 2001 öffnete das Museum schliesslich seine Tore: Der 1,64 Meter grosse Libeskind galt plötzlich als Gigant in der Architekturszene.
Bei Rückfragen:
Das Beste aus Reader’s Digest AG
Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +41 (0) 1/ 145 57 316
Fax. +41 (0) 1/ 145 57 112
E-Mail: presse@radersdigest.ch

