Ob Erdbeben, Krieg oder Geiselnahme: Immer wieder war und ist Roshal zur Stelle. Im Jahr 2002 redete er bei der Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater mehrere Tage auf die Terroristen ein, sie sollten den Geiseln Essen, Wasser und Arzneimittel geben, aber zumindest die Kinder freilassen. Er sorgte auch dafür, dass die Verletzten binnen zwei Stunden ärztlich versorgt wurden. Aber das Drama von Moskau war nur eine seiner vielen Stationen. Roshal engagierte sich im ersten Golfkrieg, in Aserbai-dschan und Armenien, er leistete Hilfe nach den Erdbeben in Japan, Afghanistan, in Indien, Algerien und Ägypten, genauso in Georgien. "Mein ganzes Leben habe ich der Notfallmedizin gewidmet. Ich komme mir schon vor wie der Doktor Ambulanz", sagt Roshal über seine Arbeit in der Januar-Ausgabe des Magazins Das Beste-Reader’s Digest.
Leonid Roshal ist der zehnte Träger des Ehrentitels und der erste aus Russland. Seit 1996 wählen die Chefredaktoren der 19 europäischen Ausgaben von Reader’s Digest Persönlichkeiten zum "Europäer des Jahres", die am besten die Traditionen und Werte Europas verkörpern. Reader’s Digest ist mit 4,5 Millionen Abonnenten in Europa eine der meistgelesenen Zeitschriften. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 19. Januar 2005 in Moskau übergeben.
Schon als Kind hatte Leonid Roshal vom Beruf des Arztes geträumt. Als Elfjähriger schrieb er in einem Schulaufsatz, dass er Chirurg werden wolle. Später, beim Beginn des Medizinstudiums in Moskau, gab er als Berufswunsch "Kinderchirurg" an. Diesem Plan blieb er treu. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er tagsüber in einer Moskauer Klinik und assistierte am Abend unbezahlt bei Operationen an einer der führenden Kinderkliniken der Stadt. Mit den Jahren wurde er zum gefragtesten Chirurgen rund um Moskau. Vor einem Jahr wurde Roshal Direktor am Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Kinder-Notfallchirurgie und -Traumatologie. Zugleich zeichnete ihn der russische Präsident Putin für seinen Einsatz als Vermittler während der Belagerung des Musicaltheaters aus.
Die Rolle als Vermittler hat ihn inzwischen weltweit bekannt gemacht. Als es im Sommer letzten Jahres zur Geiselnahme in der Schule von Beslan kam und die Behörden keinen Ausweg mehr wussten, hiess es erneut: "Holt Doktor Roshal!" Experten gehen davon aus, dass durch seinen Einsatz ein noch grösseres Blutvergiessen in der Schule verhindert wurde. Roshal, der Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin ist, will trotz seines Alters weiterhin als Arzt und Mittelsmann zur Verfügung stehen. "Die nächsten 20 Jahre werde ich hier arbeiten. Mit 90 werde ich an den Ruhestand denken – oder auch nicht."
Die Geschichte von Leonid Roshal ist im Januar 2005 zeitgleich in allen 19 europäischen Ausgaben von Reader’s Digest zu lesen. Das Magazin Reader’s Digest ist die meistgelesene Zeitschrift der Welt: Sie erscheint weltweit in 19 Sprachen und 48 Ausgaben und hat eine Auflage von insgesamt 23 Mio. Exemplaren. Neben der Zeitschrift erscheinen bei Reader’s Digest Bücher, Hörbücher, Musik- und Videokollektionen. Ausserdem bietet Reader’s Digest auf Basis seiner redaktionellen Kompetenz auch Produkte in den Bereichen Wellness/Gesundheit und Finanzdienstleistungen an.
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