Zürich, 24. Februar 2005. Obwohl in vielen Ländern immer weniger Menschen in die Kirche gehen, glauben sieben von zehn Europäern an Gott. Die Schweiz liegt mit 77 Prozent Gottesgläubigen gar über dem Durchschnitt. Dies ergab eine repräsentative Umfrage bei über 8000 Europäern in 14 Ländern, die in der neusten Ausgabe von Das Beste-Reader’s Digest publiziert wird.
Weit vorne in der Rangliste der Gottesgläubigen steht überraschend Russland, wo knapp 15 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 87 Prozent der Bevölkerung erklären, dass sie an Gott glauben. Nur die katholischen Hochburgen Polen und Portugal erzielen mit 97 respektive 90 Prozent höhere Werte. Am wenigsten gottesgläubige Leute sind in Belgien (58 %), den Niederlanden (51 %) und Tschechien (37 %) auszumachen. Der europäische Durchschnitt liegt bei 71 Prozent. Mit 77 Prozent Gottesgläubigen liegt die Schweiz hinter Spanien und vor Finnland in Europa auf Rang 6. "Offenbar besteht gerade in Zeiten der Entkirchlichung das Bedürfnis, sich – zum Beispiel mit Umfragen – zu versichern, dass die Menschen nicht einfach ungläubig geworden sind", meint Stephan Landis von der "Reformierten Presse", der Wochenzeitung der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz. Die Spannung zwischen fehlendem Willen zu kirchlicher Bindung und dem persönlichen Glauben, zu dem sich nach der Reader’s Digest-Umfrage eine deutliche Mehrheit der Europäer bekennt, wecke für ihn Fragen nach der Privatisierung des Religiösen, aber auch nach der Verbindlichkeit solcher Bekenntnisse. Aus der Sicht der Schweizer Protestanten sei es jedoch interessant, dass sich die Schweiz bezüglich Frömmigkeit in Gesellschaft von orthodox und katholisch geprägten Staaten befinde und weniger von Ländern der Reformation. "Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass unser Land immer weniger von seiner protestantischen Tradition geprägt wird", meint Landis.
Grosse Genugtuung über das Ergebnis der Umfrage von Reader's Digest herrscht bei Mario Galgano, dem Informationsbeauftragten der Schweizer Bischofskonferenz: "Diejenigen, die im kirchlichen Dienst tätig sind, werden sich über das Ergebnis der Umfrage freuen. Denn es stärkt unser Ziel, unseren Glauben weiterzureichen und auch in Zukunft die frohe Botschaft Christi hier in der Schweiz zu verkünden."
Die Hälfte der Europäer glaubt an ein Leben nach dem Tod
Den Gottesglauben begleitet allerdings nicht immer auch der Glaube an das ewige Leben. Dass das Leben nach dem Tod weitergeht, stellen sich der Erhebung zufolge nur 53 Prozent der Europäer vor. Auch hier liegt die Schweiz mit 64 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Reader's Digest wollte von den Europäern auch wissen, ob es eine Religion braucht, um zu erkennen, was richtig und was falsch ist. Während in unserem Land 54 Prozent diese Frage mit "Ja" beantwortet haben, sind nur 43 Prozent der Europäer der Meinung, dass eine Religion in dieser Frage wichtig sei. Hingegen betrachten 53 Prozent der Europäer Religionsgemeinschaften als positive Kraft, in der Schweiz sind es gar 61 Prozent.
Wie viel Prozent der Befragten in Europa an Gott glauben:
| Polen | 97 % |
| Portugal | 90 % |
| Russland | 87 % |
| Österreich | 84 % |
| Spanien | 80 % |
| Schweiz | 77 % |
| Finnland | 74 % |
| Ungarn | 73% |
| Durchschnitt | 71 % |
| Deutschland | 67 % |
| Grossbritannien | 64 % |
| Frankreich | 61 % |
| Belgien | 58 % |
| Niederlande |
51 % |
| Tschechien | 37 % |
Weitere Themen in der März-Ausgabe von Das Beste-Reader’s Digest sind:
- "Herr über Bälle und Worte": Wie der Baselbieter Roger Federer zum besten Tennisspieler der Welt geworden ist.
- "Tipps fürs Herz": Wenn Sie Ihr Herz respektvoll behandeln, können Sie das Leben länger geniessen.
- "Zehn Wege zum Glück": Forscher erklären die Unterschiede zwischen glücklichen und unglücklichen Menschen.
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