Zürich, 30. September 2008 – Sechzehn Monate lang war die Schweizer Alpinistin Evelyne Binsack von Innertkirchen aus unterwegs, bis sie ganz aus eigener Kraft den Südpol erreichte. Ein Erlebnis, das sie nicht nur 25'000 Kilometer weiter brachte, sondern auch in neue Dimensionen ihres eigenen Wesens vorstossen liess. In einem Exklusiv-Interview in der Oktober-Ausgabe von Reader’s Digest Schweiz spricht die 41-Jährige über das Abenteuer ihres Lebens.
«Mich reizen die verschiedensten Herausforderungen. Ich möchte bei jeder Expedition etwas lernen, ganz neue Erfahrungen sammeln», sagt Evelyne Binsack, die sich als Alpinistin einen Namen geschaffen hat. Für ihre letzte Expedition setzte sie vier Jahre Vorbereitung und ein paar Jahreseinkommen aufs Spiel. Das Ziel: Den langen Weg zum Südpol aus eigener Kraft bewältigen.
In der Oktober-Ausgabe von Reader’s Digest Schweiz blickt sie auf ihre vielfältigen Erlebnisse zurück. «Es braucht Erfahrung, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, um ein grosses Ziel zu erreichen», erklärt sie. Das begann mit einer akribischen Vorbereitung. In der kanadischen Arktis testete Binsack ihre Kälteresistenz und evaluierte die richtige Ausrüstung, von Schuhen über Skis und Felle bis zu Kleidern, Zelt und Kocher. Als die Reise losging, trat sie zunächst ein ganzes Jahr in die Pedale ihres Fahrrads – von Innertkirchen/BE bis nach Punta Arenas (Chile). Fast Tag für Tag, Sommer und Winter, bei Tropenhitze und quer durch Schlechtwetterfronten mit Hagel und Stürmen.
Nach 484 Tagen am Ziel
In Punta Arenas angekommen, stand ihr das anspruchsvolle Ende ihres Projekts bevor: der Marsch zum Südpol durch die Trockenwüste aus Schnee und Eis. Stürmische Winde bei eisiger Kälte forderten Binsack alles ab. «Ich hatte oft meine Zweifel», beschreibt sie ihre Gefühle. Aber sie versuchte, sich ständig von neuem zu motivieren. «Ich sagte mir: ‹Südpol, Südpol, Südpol.› Es ist unglaublich, was für Leistungen die Bündelung der Kräfte ermöglicht.» Gefragt, ob sie dabei auch an den Tod gedacht habe, gibt sie offen zu: «O ja. Der Tod hat auch an mich gedacht. Und ich war für ihn bereit.» Sie sterbe lieber bei der Verwirklichung eines Traums, als dass sie den Traum aufgebe.
Evelyne Binsack gab nicht auf, nach 484 Tagen kam sie schliesslich am Ziel an. Ob sich der Aufwand gelohnt habe, will Reader’s Digest Schweiz zum Ende des Interviews wissen. Binsacks Antwort lässt keine Fragen offen: «Und wie. Ich habe mir einen Traum verwirklicht. Es war die Erfahrung meines Lebens. Ich wurde mit unermesslichen Schätzen entschädigt.»
Start der Vortragsreihe
Evelyne Binsack ist in Hergiswil/NW aufgewachsen. Eigentlich wollte sie Leichtathletin werden, heute ist sie diplomierte Bergführerin, Commercial-Helikopter-Pilotin, Buchautorin und Referentin bei Motivationstrainings. Am 1. Oktober geht Binsack mit der Multivision-Show «Expedition Antarctica» auf eine Vortragstournee, die sie an fünfzig Orte in der Schweiz führen wird. Zudem erscheint in diesen Tagen ihr zweites Buch «Expedition Antarctica, 484 Tage bis ans Ende der Welt.»

