Zürich, 22. September 2009. Die Mehrheit der Schweizer will für die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel keine Billette oder Abonnements mehr lösen. Das Meinungsforschungsinstitut Isopublic hat im Auftrag von Reader’s Digest Schweiz einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung die Frage gestellt: „Sind Sie dafür oder dagegen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz durch Steuergelder finanziert und somit für die Benutzung gratis sind?“ Das überraschende Ergebnis: In der deutschsprachigen Schweiz sind 51 Prozent der Befragten „sehr oder eher dafür“, im französischsprachigen Landesteil plädierten sogar 57 Prozent für die Gratisbenutzung des Öffentlichen Verkehrs.
Die Redaktion von Reader’s Digest Schweiz wollte es genau wissen. Trifft die weit verbreitete Vermutung wirklich zu, dass ausser notorischen Schwarzfahrern wohl kaum jemand der Ansicht sein könnte, Bus, Tram, Bahn und Schiff sollen für alle kostenlos zu benutzen sein? Wer von einer Leistung profitiert, soll auch dafür bezahlen – könnte man meinen.
Anderseits stammt von den weit über 13 Milliarden Franken, die der öffentliche Verkehr in der Schweiz jedes Jahr kostet, nur gut ein Drittel direkt von den Passagieren. Den Rest machen Beiträge von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie diverse Steuern und Güterverkehrserträge aus. „Da kann doch die öffentliche Hand gleich alles berappen“, meinen Befürworter der Gratislösung. „Wenn man nur bedenkt, was all die Billettautomaten und Kontrolleure kosten!“
Die Fraktion der Befürworter einer kostenlosen Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Bevölkerung scheint grösser zu sein als häufig angenommen wird. Dabei spielt offenbar die Grösse des Wohnorts der Befragten eine Rolle, während sich bei den Geschlechtern keine nennenswerten Unterschiede zeigen.
Rund 60 Prozent der Bewohner von Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern wollen gratis fahren, wogegen es in Städten mit über 10’000 Einwohnern noch 55 Prozent und in Städten mit mehr als 100’000 Einwohnern nur noch 48 Prozent sind. In den Alpen und Voralpen fand die Idee des Gratisverkehrs 47 Prozent Befürworter, im östlichen Mittelland 51 und im westlichen Mittelland sogar 54 Prozent.
„Die Reichen zahlen, die Armen profitieren“, schimpfen die Gutsituierten und stellen mit 26 Prozent radikal Ablehnenden den Hauptharst der Gegner. Doch auch von den Gutsituierten sind 50 Prozent „sehr oder eher für“ die Gratisbenutzung öffentlicher Verkehrsmittel, leicht mehr als der obere Mittelstand; beim unteren Mittelstand sind es bereits 55 Prozent, bei den wenig Bemittelten rund 70 Prozent.
Wenn die Zukunft den Jungen gehört, ist der Wegfall des Billettlösens nur noch eine Frage der Zeit: Mehr als 60 Prozent der unter 34-Jährigen wollen gratis fahren – gegenüber 44 Prozent der über 55-Jährigen.
Zur Methode der Umfrage:
Zwischen 22. Mai und 12. Juni 2009 hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut ISOPUBLIC im Auftrag von Reader’s Digest Schweiz landesweit repräsentativ 1000 Menschen befragt.
Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Oktober-Ausgabe von Reader’s Digest Schweiz ist ab 24. September an zentralen Kiosken erhältlich.
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