Zürich, 10. September 2008 – Wasserknappheit, Klimafragen und Bevölkerungswachs­tum beschäftigen die Menschheit heute schon. Aber wohin steuern wir? Wie sieht die Welt im Jahr 2068 aus? Reader’s Digest blickt zu seinem 60-Jahr-Jubiläum in der Schweiz nicht zurück, sondern in die Zukunft: In der September-Ausgabe von Reader’s Digest Schweiz erklärt der Luzerner Georges T. Roos, Vorstandsmitglied von swissfuture – Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung, exklusiv, welche Veränderungen in den nächsten 60 Jahren auf uns zukommen werden.

«Es zeichnen sich neue Konflikte um das knappe Gut Wasser ab, das schneller zur Neige geht als Erdöl», sagt Georges T. Roos, der auch Gründer und Direktor der European Futurists Conference Lucerne ist. Die wachsende Weltbevölkerung werde sich um den Zugang zu sauberem Wasser streiten. Gemäss Roos zum Vorteil der Schweiz: «Die Schweiz als Wasserschloss ist hierfür in einer günstigen Ausgangslage. Wasser-Exporteure im grossen Stil werden aber mehrheitlich andere Länder, namentlich Brasilien und Russland sein, die achtzig Prozent des weltweiten Wasservorrates halten.»

Anlässlich des 60. Geburtstags von Reader’s Digest in der Schweiz wagt der Zukunftsforscher in der bereits erhältlichen Jubiläumsausgabe einen Blick voraus: 60 Jahre weiter ins Jahr 2068. Zukunft passiere nicht einfach, sie werde vielmehr von der Menschheit mitgestaltet, erklärt Georges T. Roos. «Wie diese Gestaltung aussieht, dafür fehlt uns meist die Vorstellungskraft. Szenarien oder Zukunftsbilder sollen helfen, die Zukunft greifbarer zu machen, um diesen Gestaltungswillen zu wecken.»

 

Doppelt so viele ältere wie junge Menschen

 

Die steigende Lebenserwartung hat Folgen für die Bevölkerungsentwicklung. Das mittlere von drei Szenarien des Bundesamtes für Statistik geht davon aus, dass 2068 in der Schweiz drei Mal so viele über 80-Jährige leben werden wie heute. Gleichzeitig wird der Anteil der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung abnehmen. «In Zukunft wird es doppelt so viele ältere wie junge Menschen geben», sagt der Zukunftsforscher. Ob die demographische Entwicklung zu Konflikten zwischen den Generationen führen wird, hängt in grossem Mass von der weiteren Wohlstandsentwicklung ab. «Vieles wird davon abhängen, ob wir im Verhältnis der Generationen zu einer nachhaltigen Solidarität finden, die in umgekehrter Richtung verlaufen wird. Die Älteren werden mit den Jüngeren vermehrt teilen müssen.»

 

Der neue Menschentyp

 

In seinem Exklusiv-Beitrag für Reader’s Digest Schweiz analysiert Roos die sich abzeichnende Wasser- und Nahrungs­mittelknappheit auch mit Blick auf die Suche nach neuen, umweltfreundlichen Treibstoffen. «Vor diesem Hintergrund sind Biotreibstoffe eine Versündigung gegenüber den Armen dieser Welt», sagt er. Seine Begründung: «Für einen Liter Bioethanol werden über viertausend Liter Wasser benötigt und Ackerland oder gar Lebensmittel der menschlichen Ernährung entzogen.» Was die Klima- und Energiediskussion betrifft, sieht er in der Schweiz noch Entwicklungspotenzial. «Wenn wir klug sind, bauen wir die Schweiz in den nächsten Jahren zum Silicon Valley einer neuen Energiegewinnung und -nutzung um», lautet seine Forderung. Da das Fördermaximum von Erdöl zwischen 2015 und 2035 erreicht sein wird, werden im Jahr 2068 erneuerbare Energien den mächtigsten Anteil des Energiebedarfs decken – wenn sich die Bevölkerung genügend anstrenge und kräftig investiere.

 

Für Georges T. Roos stehen wir am Anfang des Jahrhunderts der Biologie. Experten des Max-Planck-Instituts gehen davon aus, dass der Mensch bis zum Jahr 2068 im Durchschnitt 95 Jahre alt wird. Durch die Verbindung diverser Technologien wird sogar ein neuer Menschentyp hervorgebracht – derjenige der «Super-Humans», wie ihn der britische Kybernetikprofessor Kevin Warwick nennt. «Die naturbelassenen Menschen werden eine Art Untergattung darstellen», so Roos. Diese Zukunft möge in der heutigen Gesellschaft wie ein Horrorszenario erscheinen, was er auch gar nicht leugnen wolle. «Unzweifelhaft ergeben sich daraus neue Probleme. Im Gegenzug werden viele heutige Probleme gelöst sein, etwa Demenz-, Herz- und Kreislauferkrankungen und viele Krebsarten.»