Zürich,27. Mai 2004. Geld macht Männer für Frauen attraktiv - das ist eine Binsenweisheit, die allerdings mittlerweile sogar wissenschaftlich belegt ist. Doch dass sich dieses "Verkaufsargument" in einer Paarbeziehung sehr schnell zum Anlass immer neuer Streitigkeiten entwickeln kann, ist nicht vielen bewusst. Und dabei muss es nicht um grosse Summen gehen - meist sind es nur die unterschiedlichen Ansichten darüber, wofür Geld ausgegeben werden soll. Und diese Unterschiede führen nicht selten sogar bis zur Trennung. In seiner Mai-Ausgabe analysiert Reader's Digest Das Beste dieses Phänomen und zeigt Wege aus dem Dilemma.
Wie wir mit Geld umgehen ist meist ein Resultat aus unseren eigenen Erfahrungen sowie den Werten, die uns vom Elternhaus mitgegeben wurden. Die kanadische Finanzplanerin und Autorin Diane McCurdy teilt unsere Gesellschaft in vier Typen ein: die Verschwender, die Grosszügigen, die Aufbauer und die Sparer. Beziehungen zwischen Menschen, die entgegengesetzten Typen angehören, sind in der Regel extrem konfliktträchtig. Wer sich jeden Morgen sein Mittagessen von zuhause mit ins Büro nimmt, wird die Gewohnheit, jeden Mittag ins Restaurant zu gehen, bei seinem Partner eher schwer akzeptieren. Vor allem dann, wenn die einstmals getrennten Kassen nun zusammengeführt wurden.
Wirklich ans Eingemachte gehen solche Unterschiede spätestens dann, wenn es an die Zukunftsplanung geht. Konnte man vorher noch über die eigenwilligen Kaufgewohnheiten des Partners lachen, weil es ja dessen Geld und nicht das eigene war, so gefriert einem genau dieses Lachen, wenn man selber an die Altersvorsorge denkt, der Partner jedoch das sauer Ersparte lieber in der Gegenwart ausgibt. Gänzlich ins Aus gerät die Beziehung meist dann, wenn es nicht mehr nur ums Ersparte, sondern um das Geld Dritter, sprich: das Thema Schulden geht.
Das Problem, dass das vorhandene Geld nicht mehr genügt, entsteht aber nicht nur dann, wenn einer der beiden Partner vom Typ Verschwender ist. Es reichen schon zwei Grosszügige, die sich mit ihren Ausgaben gegenseitig soweit hochschaukeln, bis sie den Rahmen ihres Budgets völlig aus den Augen verloren haben. Getreu dem Motto "Was er kann, kann ich auch" wird sein Kauf eines neuen Sportgerätes für sie zum Anlass, sich endlich das neue Kostüm zu gönnen, an dem man ja schon wochenlang vorbeilief - man gönnt sich ja sonst nichts. Schnell hat man so ein an sich ausreichend gefülltes Konto in die roten Zahlen gewirtschaftet. Was dann folgt, sind gegenseitige Schuldzuweisungen, die nicht selten in dem massiven Vorwurf enden, der jeweils andere würde nichts für die gemeinsame Zukunft tun wollen.
So weit sollte man es erst gar nicht kommen lassen, rät die Finanzplanerin Lynn Biscott. Man kann Vereinbarungen treffen, nach denen zum Beispiel Anschaffungen ab einer bestimmten Höhe nur nach Absprache mit dem Partner getätigt werden dürfen. Dies setzt aber eine hohe Kompromissbereitschaft von beiden Seiten voraus. Schnell kann bei dem einen oder anderen das Gefühl der Bevormundung auftauchen, was wiederum zu Nebenkriegsschauplätzen führt.
Unstimmigkeiten anderer Art, können sich am Thema Geschenke entzünden. Was dem Partner wirklich Freude bereitet, will wohl überlegt sein. Wenn sie sich auf etwas Kleines, Glitzerndes für die Hand freut und stattdessen das zwar dringend benötigte, aber sehr pragmatische Lexikon bekommt, wird sie eher Tränen der Enttäuschung denn der Freude vergiessen. Doch keiner muss sich deshalb völlig umkrempeln - ein Ausweg wäre hier, sich zu Geburtstagen oder sonstigen Festen einfach gemeinsam etwas Schönes zu gönnen, wie etwa einen Opernbesuch oder einen romantischen Kurztrip.
Unabdingbare Voraussetzung für eine gelingende Partnerschaft auch in finanzieller Hinsicht ist die Einsicht, dass der Partner unter Umständen andere Vorstellungen von klugem Wirtschaften hat als man selbst. Klaffen diese von Beginn an meilenweit auseinander, sollte man bei möglichen Lösungsansätzen frühzeitig in alle Richtungen denken. Das Wichtigste jedoch ist, dem anderen zuzuhören und dann gemeinsam zu überlegen, wie man die Vorstellungen eines jeden miteinander vereinbaren kann. Denn eines darf man nie vergessen: Auch eine Partnerschaft oder ein Ehepaar ist letztendlich ein Team, das sich aufeinander einspielen muss.
Hinweise an die Redaktion:
Weitere Themen in der neuesten Ausgabe von Das Beste-Reader's Digest sind:
- "Was steckt hinter der Liebe?" von Jake Macdonald Flirt, Sex, Partnerschaft und Trennung: Eine Anthropologin sieht darin uralte menschliche Verhaltensmuster.
- "Schluss mit der Opferrolle!" von Maja Dahinden Für unser Leben sind nur wir selbst zuständig: Wir können uns zu jedem Zeitpunkt auf den Weg unserer eigenen Entwicklung machen
- "Europa wird bunter" - die besondere Reportage. Am 1. Mai 2004 wächst die EU um 10 Länder. Kommen Sie mit auf eine Reise durch alle 25 Mitgliedstaaten und lesen Sie, was die Menschen bewegt.
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