Zürich, 7. August 2003. Frauen leben durchschnittlich fünf Jahre länger als Männer. Ihr Risiko, an Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden, ist deutlich geringer als bei Männern. Der Grund dafür liegt aber nicht einfach in der unterschiedlichen Anatomie. Das hat ein amerikanisches Forscherteam kürzlich herausgefunden. Sie haben Männer in ihrer biologischen, psychologischen und kulturellen Gesamtheit betrachtet und sind unter anderem zum Schluss gekommen, dass die meisten Männer nicht viel auf Gesundheitsvorsorge geben. Erst kürzlich haben Viagra und ähnliche Produkte den Männern die Tür zur Gesundheitsvorsorge allerdings geöffnet. Beim Arzt können sie nämlich über eine fast universelle Angst sprechen: Potenzprobleme. Impotenz kann ein frühes Warnzeichen für andere Krankheiten sein, unter anderem für eine Herzerkrankung. Oft merken die Männer aber erst dann, dass sie ihren Lebensstil ändern sollen.

 

Selbst wenn Männer unter Bluthochdruck leiden, sind sie beispielsweise weniger bereit als Frauen, ihren Salzkonsum einzuschränken. Sie lassen ihre Hoden seltener auf Krebs untersuchen als Frauen ihre Brust. Männer schlafen weniger, benutzen weniger häufig Zahnseide, verwenden seltener Sonnenschutzmittel, ernähren sich ungesund und frühstücken seltener. Die meisten Männer nehmen die kürzere Lebensdauer einfach als schicksalhaft hin. Ratschläge von Gesundheitsexperten zu Ernährung, Bewegung, Gewicht, Rauchen und Trinken fallen bei ihnen meist auf unfruchtbaren Boden. Viele haben auch keine Ahnung, wie hoch ihr Blutdruck oder ihr Cholesterinspiegel ist.

 

Traditionell suchten Männer nur aufgrund eines Unfalls, einer Gewalttat oder einer plötzlichen Gesundheitskrise einen Arzt oder das Spital auf. Jetzt gibt es einen zusätzlichen Anlass dafür: Viagra! Nachdem viele Männer ihre Erektionsstörungen jahrelang verdrängt haben, gehen sie jetzt zum Arzt und wollen Viagra verschrieben haben. Ein guter Arzt wird die Konsultation jedoch dazu nutzen, um nach den Ursachen der Impotenz zu suchen - etwa ein unerkannter Diabetes, Bluthochdruck, Alkoholmissbrauch oder chronische Depressionen.

 

Wenn Männer älter werden, erleben sie einen allmählichen Testosteronabfall. Ein geringerer Testosteronspiegel geht einher mit dem Verlust der Libido, des Gedächtnisses, von Muskel- und Knochenmasse. Doch Bewegung, gesunde Ernährung, Nichtrauchen, gemässigter Alkoholkonsum können den Abwärtstrend verlangsamen. Impotenz kann aber auch ein frühes Warnzeichen für andere Krankheiten sein, unter anderem Herzerkrankungen. Der Penis wird von demselben Blutgefässsystem versorgt wie das Herz, nur dass seine Gefässe viel kleiner sind und deshalb schon früher blockiert sein können. "Der Penis ist wie das Herz. Was wir für unser Herz tun, ist auch gut für den Penis", bekräftigt Will Courtenay, Direktor einer Gesundheitsberatungsstelle im kalifornischen Berkeley. Um Männer aber dazu zu bringen, ihren Bewegungsmangel zu bekämpfen und sich gesünder zu ernähren, muss daraus eine Art Wettbewerb veranstaltet werden: Wer kann am meisten abnehmen? Wer kann die gesündere Ernährung nachweisen? etc. Nur so sind Männer zu motivieren und sprechen auf die Gesundheitsvorsorge an.

 

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